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Vera Hesse: Autorenhomepage |
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Zwiegespräch Vera am Mittag Ein Kloß im Winterloch Experimentelle Prosa
Zwiegespräch
Als ehemals notorische Briefschreiberin
mit gefürchteten Schachtelsätzen, – als alle Aspekte eines Themas exzessiv und
ausufernd betrachtende “Romancierge”, die nur über kilometerlange verschlungene
Umwege – wenn überhaupt! – zum Wesentlichen kam, – sah ich es eines glorreichen
Tages als einen Akt der Selbst- und Nächstenliebe an, ab sofort und so lange wie
nötig möglichst nur noch zu schreiben, um das Schreiben zu lernen. Punkt.
So fing alles an.
Wenn bloß dies der
erste Anstoß gewesen wäre! Es war aber noch schlimmer. Jahrelang war Schreiben
für mich nicht nur Kommunikationsersatz. Ich lebte weitab auf dem Land. Besuch
bekam ich nur vom Eiermann, wohingegen ich tagtäglich wie eh und je viele Bücher
besuchte, die einiges in meinem Kopf in Gang setzten. Schreiben wurde auch zum
Ventil für manche Gedankenflut, in der ich ohne Schreiben ersoffen wäre.
Vor allem schrieb ich,
damit ich klarer denken konnte. Extrem gesagt war ich nur fähig zu denken,
während ich schrieb. Da das Denken lebensnotwendig ist, kann ich behaupten, dass
ich in diesem Sinne schreiben musste, damit ich nicht völlig verblödete.
Sollte ich etwa so
weitermachen? Nein! Also lernte ich auf professionelle Weise zu schreiben. Ohne
klares Denken vor der Niederschrift war das nicht zu bewerkstelligen. Ich musste
damit verbundene handwerkliche Regeln akzeptieren und anwenden und dies wiederum
schulte indirekt mein Denken. Zudem stellte ich mir einen imaginären Leser vor,
der mich nicht kannte und mich nicht fragen konnte, wenn er etwas nicht
verstand. Von einem privaten Monolog wechselte ich über in einen persönlichen
Dialog.
Eines Nachts erschien
mir im Traum der Liebe Gott. Er sah tatsächlich so aus, wie ich ihn mir als Kind
vorgestellt hatte! Gott trug ein langes Nachthemd und einen weißen Rauschebart.
Nachdenklich musterte er mich über den Rand seiner Lesebrille. Die war
vermutlich von Aldi. Bevor ich vor Lachen losprusten konnte, sagte er: “Deine
Zeit ist um, du wirst nun mit mir gehen!”
Ich erschrak. “Wieso
schon jetzt?”, fragte ich.
“Das steht in meinem
Goldenen Buch!”, erwiderte er und lächelte mich an. “Keine Angst ...”
Ich dachte nach. Das hatte ich ja bereits
geübt, ohne vorher schreiben zu müssen. “Du bist doch ziemlich alt ... und
vielleicht ... schon ein wenig tüddelig”, sagte ich, “könnte es nicht sein, dass
du dich im Datum geirrt hast?”
“Hmmm.” Gott kratzte
sich hinterm Ohr. “Möglich ist alles.”
“Fast alles”,
entrutschte mir. Sofort schlug ich mir auf den Mund, doch zu spät.
“Alles!”, widersprach
Gott.
Das gab mir etwas Auftrieb. “Vielleicht
schaust du lieber noch mal nach in deinem goldenen ...”
“Genau!”, sagte er.
“Sicher ist sicher. In der letzten Zeit hat es wieder ziemlich viele Scheintote
gegeben.”
“Geirrt?”, fragte ich.
“Musste ich rückgängig
machen”, sagte er. “Nutze die Zeit solange”, rief er, ehe er aus meinem Traum
verschwand, “dein Talent zum Schreiben ist ein Geschenk von mir. Das kann sich
nicht weiterentwickeln, wenn es im privaten Bereich versumpft. Mancherlei
Sumpfblüten mögen daraus entstanden sein, die vielleicht für dich interessant
sind, aber nicht für andere. Missachte mein Geschenk nicht! Pack es aus! Auch
Schreiben ist Schöpfung und ebenso wie das Leben selbst ein Entwicklungsprozess.
Du hast lange genug eingeatmet, atme endlich aus! Geh hinaus, überschreite deine
Grenze und schreib nicht für dich, sondern für andere! Mach auch ihnen ein
Geschenk, so wie ich dich beschenkt habe.”
“Es gibt schon genug
Bücher”, jammerte ich. “Die Leser zappeln doch bereits, nach Luft schnappend,
unter dem Bücherberg! Warum sollte ich noch eines schreiben?”
“Es gibt auch genug
Menschen”, entgegnete er. “Findest du dich deswegen überflüssig?”
Lohnt sich das alles denn noch, hätte ich
fast gefragt, ängstlich und frohlockend; wer weiß, wann er wiederkommt, um mich
zu holen. Schlimmstenfalls hatte ich mir nur einen kurzen Aufschub erschlichen.
“Jeder Tag lohnt
sich!”, rief Gott.
Seiner ist
wahrscheinlich ziemlich lang ...
Ich lernte meine Fähigkeiten kennen und
stieß auf ihre Grenzen, staunte über das, was ich schuf, war manchmal begeistert
und dann wieder enttäuscht von mir. Sogar grundsätzlich, aber heilsam
enttäuscht. Ich hatte mir meine Texte auf einer bestimmten Stufe vorgestellt,
natürlich ziemlich weit oben in der Hierarchie. Typischer Anfängerfehler, den
Gott wohl auch einst mit uns gemacht hatte. Die Buchstaben auf dem Papier können
– nicht anders als wir – auch grausam sein! Einzeln sind sie harmlos. Sobald sie
Wörter und Sätze bilden, zeigen sie mir klar, was ist – und was nicht ist.
Erfolg habe ich immer dann, wenn ich meine Grenzen ausweite und die Texte an
Qualität gewinnen. Diese Spannung treibt mich voran.
Schreiben ist Heimat. Vor vielen Jahren
setzten mich meine Eltern auf einer einsamen Insel aus, da war ich fünf gewesen.
Erst drei Jahre später holten sie mich wieder ab. Die Zeit auf der Insel war
wunderbar! Ich hatte alle Freiheit der Welt! Es war die glücklichste Zeit meines
Lebens. Ich fühlte keinen Schmerz. Heimweh? Ich doch nicht! Im Gegenteil! Wer‘s
glaubt wird selig!
Selig rutschte ich über
die Eisschollen der Nordsee, watete über die überschwemmte Insel, ließ mich vom
Wind wegblasen, versteckte mich in den sonnenwarmen Dünen und war endlich bei
mir. Nur so war ich zu Hause und ganz bei mir.
Mit anderen, in der
Fremde, existierte ich nur halb, verlernte ich das Sprechen. Mündlich konnte ich
mich nie sonderlich ausdrücken und blieb weit unter meinen Möglichkeiten, es sei
denn, die Fremde wurde mir zu einem Stück Heimat, die mich nicht zurückstieß.
Schreiben ist insofern auch immer eine Sache der Rehabilitation für mich
gewesen.
Heute ist das Schreiben
mein Zuhause. Und ich mittendrin. Und von dort kann ich hinausgehen und andere
besuchen.
Noch Fragen?
Anthologie Über das Buch: „Ich kann sagen, was ich will, ich werde nie herausfinden, warum man schreibt
und wie man nicht schreibt.“ (Marguerite Duras) Autorinnen und Autoren:
“...für das Thema erstaunlich klischeefrei, ernst, humorvoll und niemals seicht.
Mit der notwendigen Distanz zum eigenen Tun wird da Schreiben als Sinnsuche
zwar, aber nirgendwo als andachts-heischende Kulthandlung dargestellt. In dieser
Anthologie beweihräuchern sich die AutorInnen nicht selbst, sondern lassen
allein ihre Texte sprechen. Und deren Sprache ist in vielen Fällen durchaus eine
Werbung für die Schreiberei.” Aktuelle Lesungen: auf der Verlags-Homepage von "Kölns glücklichstem Kleinverleger": www.ferber-verlag.de
BoD-Aktuell
- Das Magazin von BoD - Ausgabe 9 - Mai / Juni 2003:
Die folgenden zwei Texte waren nie zum
Veröffentlichen gedacht, die habe ich mal vor Jahren aus Jux und Dollerei
geschrieben, als ich morgens Probleme mit dem Aufstehen hatte und überhaupt
ziemlich daneben war.
Na, jetzt ist wenigstens e r aus
der Schublade gekrochen und blinzelt, noch ein wenig verschlafen, ins Licht.
Jeden Morgen verschlafe ich. „Morgen“ ist noch gnädig ausgedrückt. Kaum habe ich gefrühstückt, wird es bereits wieder dunkel. Wer aber möchte schon in ewigem Dunkel leben? Bin ich etwa ein Maulwurf? Nein, noch ein Mensch, doch wenn es so weitergeht, werde ich zum Grottenolm mutieren, dessen Augen sich zurückentwickelt haben. Wo nichts mehr zu sehen ist wegen der Dunkelheit, sind Augen überflüssig geworden. Da ist die Natur knallhart. Weil aber die Kultur uns die Glühbirne beschert hat, wird mich das Schicksal nicht ganz so hart treffen wie den Olm. Mit der Zeit wird mir Brille mit dicken Gläsern wachsen, um meine durch Kunstlicht verursachte fortgeschrittene Sehschwäche – auch ein Fortschritt! – auszugleichen. Der arme Olm! Eine kleine Glühbirne hätte seine Entwicklung in eine andere Richtung treiben können. Leider fand sich kein Edisolm innerhalb seiner Spezies. Es gibt sogar Tiefseefische, die sich selbst heimleuchten können! Aus ihrem Kopf wächst eine Laterne. Hat Mutter Natur vielleicht auch mal verpennt und hatte deshalb keine Zeit mehr, dem Grottenolm wenigstens eine kleine Taschenlampe aus der Stirn wachsen zu lassen? Augen einfach wegmachen, ist ja ein fantasieloser Einfall. Brauchste nicht? Also weg damit. Blöd. Der Mensch denkt: „Der arme blinde Grottenolm, was alles mag ihm entgehen! Er kann die Grottenwelt nicht bewundern, nicht die Grottenmalereien – und seiner Mitolmin nicht romantisch in die Augen blicken! Fernsehen kann er auch nie. Kann nie Vera am Mittag gucken.“ Und ist deswegen auch nicht so verblödet wie er. Der Mensch. Der das guckt. Soll der Mensch ruhig mal versuchen, zu denken – die Natur denkt oft anders und besser. Der Grottenolm sowieso: „So ein bedauernswerter Mensch! Der muss so viel sehen, dass ihm ein wesentlicher Teil des Lebens entgeht. Lieber nicht laut aussprechen, was ihm alles entgeht, es könnte jemand hören und ganz depressiv darüber werden. Will er es partout – der Olm kann auch Französisch – wissen, braucht er nur die Blinden zu fragen.“ Mehr sagt er nicht dazu, weil er jetzt Feierabend hat und nun lieber liest, statt Glotze zu gucken, und so liest er, wie jeden Abend, weiter in den unendlichen Annalen der Natur: „Einst war die Erde schön kühl und dunkel und den Menschen wuchsen nicht nur gemütliche Pelze, nein, sie hatten auch noch keine Augen ...“ Er überflog einige Passagen, weil sie ihm nichts Neues sagten und las weiter: „Eines Nachts aber wurde ein neuer Stern geboren, der die Erde in ein unerträglich grelles Licht badete. Die Mutationen hoppelten nur so und nach Hunderttausenden von Jahren sind den Menschen Augen gewachsen.“ „Der arme Mensch“, denkt der Olm und: „HOPPELTEN? Ob die Natur wirklich ´hoppeln` schreiben würde? Hatte da vielleicht ein anderer Olm, eine andere Olmin an diesem Heiligen Buch mitgemischt?“ Wenn jetzt jemand meckert von wegen, wie der augenlose Olm wohl lesen mag: Noch nie was von Blindenschrift gehört? Nun aber geht der Olm in seine Schlafgrotte, denn es ist schon spät und er ist müde. Wohlig kuschelt er sich an das Flauschfell seiner Olmin und tut das mit ihr, wobei auch die Menschen meistens die Augen – aus guten Gründen! – schließen. Jedenfalls dann, wenn sie genug geguckt haben. Wäre es wirklich so bedrohlich, wenn ich auch in Zukunft so verschlafen würde, dass ich die Sonne nie mehr zu Gesicht bekäme? Zweifel befallen mich wie Fußpilz. Pilze wachsen gern in Grotten und in einem alten Kinderlied heißt es auch: Ein Männlein steht im Walde auf einem Bein. Wo ein Bein ist, da auch ein Fuß. Wenn mit dem Männlein ein Pilz gemeint ist, dann ist es logischerweise ein Fußpilz. Viele Männlein auf einem Bein fallen mich an oder locken mich herbei wie die Loreley. Nur dass ich nicht am Felsen zerschellen, sondern es dem Grottenolm nachmachen soll. Es gäbe auch viele kuschelige einbeinige Männlein, die mein dunkles Lager mit mir teilen wollten. Alle gleichzeitig! Noch bin ich unentschlossen. Mir kommen die kleinen Weckmännchen in den Sinn. Nicht die zu Sankt Martin zum Vernaschen angebotenen aus der Bäckerei, sondern Weckmännchen, die mir zu einer neuen Art Wirklichkeit verhelfen könnten. Indem sie die Rollläden rechtzeitig hochziehen, damit Eos` rosiger Finger auch meine Augenlider streift und ich gebadet in den warmen Farben der Morgenröte meinem Federbett entsteige ... Das jedoch wäre eine andere Geschichte und ich bin noch nicht sicher, ob ich die jemals erzählen werde. Sehe ich nicht mit geschlossenen Augen die fantastischsten Traumwelten? Erlebe ich in ihnen nicht die aufregendsten Abenteuer und male ich dort nicht die farbenglühendsten Bilder? Jeden Morgen verschläft mein Wecker. Ich kann noch so laut schnarchen – er wird davon nicht wach. Was soll bloß aus ihm werden? (19..?) ************************************************************ Ein Kloß im Winterloch Matt schleppe ich
mich durch den Tag. Nie wird es richtig hell und ewig währt meine
Schläfrigkeit. Was ich mir da wieder ausgedacht habe, ts, ts. - - - Wer kratzt da an der Tür?! - - - „Guten Abend“, wispert das Eichhörnchen und macht einen Knicks. „Willst du ein Nüsschen?“ Jetzt hör ich aber auf! (19..?) ************************************************************
Experimentelle
Prosa: Hallo,.li4ber Gerhqrd, ups. >Ich komme gerade von meinem
Nachb arn wieder, der hat mire einen selbst gemachten ROTEN
Himbneergeist kredenzt. Leider hatte ich vorher noch nichts
gegessen.Ich bi aber noch gut nach Hause gelomme, wie Di sheihst. -äh. Das TOT, nee, ROT istz nor deshalb
entstanden, weil. Vorher hatte ich die texcte immer mit einem weichen
Belsistifgt korrigiert. Nur bei Disertatiomnen haben sich die , nee,
doch, ganeu, Buer bei Disertatinenen, also bei unegünten
Schreiberlingen waren die Korekturen immer so vieler, dass ein roter
>Stuft eunfach besser auffiel. Da ich mich füher vielm,
besonders mit Lejhrerinnen gekloppt habe, wollte ich zurvor keinem
armen Autor o´zumuten, seinen Text abenfalls Rot korrigiert zu
sehen, damit der sich nicht aun die Schule erinnert. Jetzr auber fiodn
eich, dasss dfas einfach deutlicher ist und man dadurch weniger beuim
Mkorrigioerzeonbau ünersieht. Uff. Lannst Du das überhaupt
entziffern? Tut mir leid, miozten bin ich wiedr sdaaaa. Übrigens, heute habe ich eine Menge geschfft und es war gar nicht so schrecklich! Im Gegenteil. Und ann wol.lte ich Dir nocjh sagen, dasss Du einen prima Eropmanm geschrieben hast!“ Das musste jetzt einfach mal sein. Das rOTlässt sich schließlich leicht aus der >We3lt schaffen. Schließlich geht es hier größtenteils nicht um Fehler, sondern um handweerklcihes >Zweutg. Also tröste Duch bkloß, das sond alles Korrekturen auf höherem Niveau. Oh, immerhin kann ich schon wieder >Nivau schreiben. Das wird schon,m wist Du sehen. Das ist der erste Briefg, denn ichbbesoffen geschrieben habe. Wenn ich den motgen lesem, o gGott! Sowieso bin ich noch nie besoffen gewesen, wlorher wirde mit immer schlecht.. Das ist halt so, die eigentkciechwe Arbeit
fängt er st nach dem Schreiben an. Besonder, wenn man zuvor
mehr mit dem Inhalt beschäftigtvwar. Sieh es so: Jew mehr ich gefunden ah´habe, umso weniger wird noch zu finden sein, isofern POSITIV!“ Insofer,mn: hast Du einenForttschritt erreicht. Jewtyt h;rte ich aber au, Heryliche Gr[-0e Veraf Das war eine E-Mail an einen meiner Autoren/Kunden (Lektorat). Die Tastatur war nach diesem Konvolut
ebenfalls betrunken. Die Buchstaben befanden sich nicht mehr unter den
zu ihnen gehörenden Tasten. Sie hat sich aber auch wieder erholt. |
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